INCIs – Genauer hinschauen lohnt sich!

Was sind denn bitte schön INCIs? Und was will mir der Hersteller mit diesen kryptischen Inhaltsstoffen und verklausulierten Deklarationen auf der Verpackungsrückseite meiner Gesichtscreme genau sagen? All das nehme ich für Euch heute einmal genauer unter die Lupe.

Die Definition von INCIs

INCIs steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Um beim Verbraucher für bessere Transparenz zu sorgen,  wurde dieses weltweit gültige System von der Europäischen Union entwickelt. Die Namensgebung kosmetischer Inhaltsstoffe wurde vereinheitlicht und seit Anfang 1997 sind sämtliche im Produkt verarbeiteten Wirkstoffe in der Reihenfolge ihrer Konzentration aufzulisten. Alle Inhaltsstoffe, die einen Wert von unter 1% in ihrer Konzentration aufweisen, dürfen anschließend in ungeordneter Reihenfolge deklariert werden. So weit zur Theorie. In der Praxis sieht sich der Otto-Normalverbraucher dann mit solch kaum aussprechbaren Begrifflichkeiten wie bspw. Trimethoxycaprylylsilane oder Methylchloroisothiazolinone konfrontiert. Als Nicht-Chemielaborant ist es geradezu unmöglich, auf den ersten Blick genau zu verstehen, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt. Und so wird die angebliche Transparenz doch fast schon zur Farce.

Tools & Apps schaffen Durchblick im INCIs-Dschungel

Glücklicherweise gibt es aber Tools und Apps, die bei der Entschlüsselung von schwer verständlichen INCIs helfen. In der Datenbank Kosmetikanalyse befindet sich eine Vielzahl an Daten zu konventionellen und naturkosmetischen Produkten:

kosmetikanalyse

Das Tool funktioniert wie eine Suchmaschine. In der Suchleiste gibt man entweder die Marke, einen Produktnamen oder den gesuchten Inhaltsstoff ein. Das Tool spuckt dazu dann alle verfügbaren Infos und Erklärungen aus. Verschieden farbige Smileys veranschaulichen recht schnell, ob es sich um gesundeitsgefährdende oder unbedenkliche Inhaltsstoffe handelt. Kleiner Nachteil: Die Datenbank ist nicht kostenfrei nutzbar. Der Mitgliedsbeitrag kostet 36,00 € für 6 Monate.

Dafür sind die beiden Apps Codecheck und ToxFox zum kostenfreien Download im App Store oder bei Google Play erhältlich. Während ToxFox schnell aufzeigt, ob kosmetische Produkte hormonelle Schadstoffe erhalten, geht Codecheck sogar noch einige Schritte weiter: Inhaltsstoffe, die unbedenklich sind, werden grün gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe rot markiert und außerdem werden ggf. bessere Alternativen zum analysierten Produkt angezeigt. Beide Apps arbeiten mit Strichcode-Scannern und so lässt sich schnell beim Einkauf ermitteln, ob man das ausgewählte Produkt nun in seinen Korb legen oder doch besser wieder ins Regal zurück stellen sollte.

Vereinzelte Hersteller – zumindest die, die nichts zu verbergen haben – gehen mittlerweile dazu über, die Inhaltsstoffe in englischer oder deutscher Sprache übersetzt, in Klammern zu zeigen. Das ist doch schonmal ein Schritt in die richtige Richtung!

Was haben INCIs mit Essen zu tun?

Für mich ist die Analyse meiner Pflegeprodukte zum absoluten Hobby und Muss geworden. Die Produkte im Badezimmer meiner Eltern mussten auch schon daran glauben. Bei mir lautet das Credo: Alles, was in meinen Cremes, Duschgels, Shampoos etc. enthalten ist, sollte ich rein theoretisch auch essen können. Produkte, die diesen Kriterien nicht entsprechen, landen weder in meinem Waschbeutel noch in meinem Badezimmer und schon gar nicht auf meinem Körper. Oder umgekehrt sollte sich jeder die Frage stellen: „Würde ich meinen Salat freiwillig mit Erdöl zubereiten?“ Wer schon einmal das Wörtchen „Paraffinum“ auf seiner Cremedose entdeckt hat, vermutet in den meisten Fällen bestimmt kein Erdölderivat dahinter.

Pflanzenöle, die in günstigen Massenprodukten verarbeitet werden, sind außerdem meistens komplett raffiniert. D. h. wertvolle Fettsäuren, Fettbegleitstoffe oder Vitamine werden in einem chemischen Prozess durch die Verwendung von Lösungsmitteln und ultrahohe Erhitzung heraus gelöst. Zurück bleibt ein geruchs-, geschmacksneutrales und fast farbloses Öl ohne Wirkstoffe.

Ist das, was drauf steht, auch wirklich drin?

Es gibt Hersteller, die in ihrem Marken- oder in ihren Produktnamen Begriffe wie „Bio“ oder „Green“ verwenden oder mit Zusätzen wie „mit echten Pflanzenölen“ werben. Produktverpackungen wirken besonders grün und natürlich oder selbst entworfene Bio-„Siegel“ werden eingesetzt. Doch beim Blick auf die INCIs hat es mir schon des Öfteren die Sprache verschlagen.

Eine meiner Freundinnen bat mich um eine Empfehlung für ihre empfindliche Haut. Sie klagte über Spannungsgefühle nach der Verwendung ihrer Creme, verspürte immer öfter einen Juckreiz schon nach Anwendung des Gesichtswassers und bemerkte einen leichten Ausschlag. Sie äußerte mir gegenüber, dass sie ausschließlich Produkte eines bekannten Herstellers verwenden würde, die sie in der Apotheke gekauft hätte und die wohl speziell für die empfindliche Haut entwickelt wurden. Ich bat sie, die Produkte einmal beim nächsten Treffen mitzubringen. Der Produktname suggerierte, dass die Produkte für die sensible Haut gedacht sind. Eine Analyse der Inhaltsstoffe zeigte dann sehr schnell, dass die Zutaten alles andere tun, als eine irritierte Haut zu besänftigen. Ganz im Gegenteil. Das Tonic und die Tagescreme waren vollgepackt mit Stoffen, die die Haut sogar zusätzlich reizen. Ich habe ihr empfohlen, die Produkte schnellstmöglich zu entsorgen – auch wenn ich sonst kein Freund davon bin, angebrochene Produkte einfach weg zu werfen. Für ihren Hautzustand waren diese Produkte nur schädlich. Ich habe ihr die Umstellung auf eine Pflegeserie empfohlen, die ausschließlich naturreine Wirkstoffe enthält und die Haut beruhigt. Nach ca. 4 Wochen Anwendung hatte sie keinerlei Probleme mehr.

Für die Methode, den Verbraucher mit einem solchen grünen Image zu täuschen oder in die Irre zu führen, gibt es mittlerweile auch einen festen Begriff: das sogenannte Greenwashing.

Fazit: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Wer auf Nummer Sicher gehen und genau wissen will, was er/sie sich tagtäglich auf die Haut schmiert, dem kann ich nur wärmstens ans Herz legen, entweder die professionelle Beratung einer gut ausgebildeten Naturkosmetikerin oder Fachverkäuferin in Anspruch zu nehmen oder selbst aktiv zu werden und sich via Analyse-Tool oder App über das gewählte Produkt schlau zu machen. Eure Haut wird’s Euch danken!

Zum Abschluss habe ich noch einen Buch-Tipp für Euch. Mir hat das nachfolgende Buch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet:

Die Wahrheit über Kosmetik: Der kritische Wegweiser durch den Kosmetik-Dschungel

 

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